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Die 10 häufigsten Steuerfehler – und wie Sie sie vermeiden

Typische Fehler in der Steuererklärung: vergessene Abzüge, falsche Säule 3a, verpasste Fristen, Verrechnungssteuer. Mit konkreten Korrekturen.

Von Bastien Thiébaud·2026-02-16·10 min Lesezeit

Die 10 häufigsten Steuerfehler – und die Lösung

Steuererklärungen sind fehleranfällig. Ein kleiner Fehler kann Hunderte Franken kosten – oder im schlimmsten Fall Nachforderungen und Stress verursachen. Hier die 10 häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeiden oder korrigieren.

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1. Abzüge vergessen

Das Problem: Berufsauslagen, Pendlerkosten, Spenden, Krankheitskosten – viele kennen nicht alle Abzüge oder denken zu spät daran.

Die Lösung:

  • Nutzen Sie eine Checkliste aller möglichen Abzüge
  • Sammeln Sie Belege das ganze Jahr über (Ordner, App, E-Mails)
  • Vergleichen Sie mit dem Vorjahr – was haben Sie diesmal vielleicht zusätzlich?

Typische Vergessenskandidaten: Pendlerpauschale, Weiterbildungskosten, Homeoffice-Anteil, Spenden an gemeinnützige Organisationen, Handwerkerrechnungen für den Hausunterhalt.

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2. Säule 3a: falscher Betrag

Das Problem: Der maximal abziehbare Betrag hängt von Ihrem Pensionskassenstatus ab. Wer zu viel einträgt, riskiert eine Korrektur; wer zu wenig einträgt, verschenkt Steuerersparnis.

Die Lösung:

  • Angestellte mit PK: max. CHF 7'056 (2026)
  • Selbstständige ohne PK: max. CHF 35'280 (2026)
  • Teilzeit: Reduzierte Beträge – prüfen Sie Ihre Pensionskassenmitteilung

Tragen Sie exakt den Betrag ein, den Sie tatsächlich eingezahlt haben – und nicht mehr. Die Einzahlungsbestätigung Ihrer Bank oder Vorsorgeeinrichtung ist massgeblich.

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3. Verpasste Abgabefristen

Das Problem: Jeder Kanton hat eigene Fristen. Wer zu spät abgibt, riskiert Schätzungen, Nachsteuern oder mindestens Stress.

Die Lösung:

  • Notieren Sie die Frist für Ihre Gemeinde (oft März/April, teils später)
  • Beantragen Sie bei Bedarf eine Verlängerung – viele Kantone gewähren diese unbürokratisch
  • Nutzen Sie die verspätete Abgabe nur als letztes Mittel – sie kann teuer werden

Tipp: Beginnen Sie früh. Die meisten Unterlagen (Lohnausweise, Quittungen) liegen im Februar vor.

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4. Verrechnungssteuer nicht zurückgefordert

Das Problem: Bei Dividenden, Zinsen von Schweizer Quellen und manchen Fondserträgen wird 35% Verrechnungssteuer einbehalten. Viele vergessen, die Rückerstattung zu beantragen.

Die Lösung:

  • Fordern Sie bei Ihrer Bank die Verrechnungssteuer-Bescheinigung an
  • Reichen Sie das Rückerstattungsformular bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) ein
  • Frist: in der Regel innerhalb von 5 Jahren nach dem Steuerjahr

Das betrifft vor allem: Dividenden von Schweizer Aktien, Zinsen auf Schweizer Konten, Fonds mit Schweizer Anteilen.

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5. Eigenmietwert falsch

Das Problem: Wohneigentümer müssen den Eigenmietwert als Einkommen deklarieren. Oft wird ein veralteter Wert eingesetzt – oder der Wert für die falsche Objektart.

Die Lösung:

  • Der Eigenmietwert orientiert sich am Marktmietwert (was Sie für eine vergleichbare Miete zahlen würden)
  • Die Steuerverwaltung liefert oft einen Vorschlag – prüfen Sie ihn
  • Bei Umbauten oder Wertänderungen: Anpassung beim Steueramt melden

Häufiger Fehler: Den Eigenmietwert zu niedrig ansetzen – das kann zu Nachforderungen führen.

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6. Unterhaltskosten nicht aufgeteilt

Das Problem: Bei Wohneigentum sind Unterhaltskosten (Reparaturen, Renovationen) nur zum Teil abzugsfähig. Der abzugsfähige Teil betrifft den Erhaltungsaufwand, nicht die Werterhaltung.

Die Lösung:

  • Erhaltung: Ersatz beschädigter Teile, Reparaturen → abzugsfähig
  • Verbesserung: Erweiterungen, Upgrades → nicht abzugsfähig
  • Aufteilung: Bei gemischtem Charakter (z.B. Badezimmerrenovation) den Erhaltungsanteil schätzen lassen oder dokumentieren

Viele setzen alles als Abzug an – die Steuerverwaltung kann korrigieren und Nachsteuern verlangen.

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7. Doppelte Deklaration (z.B. Doppelbesteuerung)

Das Problem: Grenzgänger, Auslandschweizer oder Personen mit Einkommen aus mehreren Ländern deklarieren dasselbe Einkommen doppelt – oder vergessen die Anrechnung ausländischer Steuern.

Die Lösung:

  • Prüfen Sie Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Ihrem anderen Wohnsitz-/Einkommensstaat
  • Tragen Sie bereits im Ausland versteuerte Einkünfte korrekt an – mit Anrechnung
  • Bei Unsicherheit: Beratung einholen, Doppelbesteuerung kann teuer werden

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8. Nebeneinkünfte nicht angegeben

Das Problem: Freelance-Arbeit, Vermietung, kleine Nebenverdienste – viele glauben, «das fällt nicht auf». Doch Steuerbehörden gleichen Daten ab (z.B. mit Arbeitgebern, Plattformen).

Die Lösung:

  • Alle Einkünfte angeben, auch geringe
  • Freelance/Einzelunternehmen: Einnahmen minus Ausgaben als «selbstständigerwerbendes Einkommen»
  • Vermietung: Mieteinnahmen und abzugsfähige Kosten getrennt ausweisen

Nicht angegebene Einkünfte können als Steuerhinterziehung gewertet werden – mit rechtlichen Folgen.

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9. Ungenauigkeiten beim Zivilstand und Haushalt

Das Problem: Heirat, Scheidung, Kinder, Umzug – Änderungen im Privatleben wirken auf die Steuer. Falscher Zivilstand oder falsche Haushaltsgrösse verzerren Tarif und Abzüge.

Die Lösung:

  • Zivilstand zum Stichtag (31.12.) korrekt angeben
  • Kinder: Anzahl, Alter, Betreuungskosten – alles aktuell
  • Gemeinde-/Kantonwechsel: Für jeden Wohnsitz die richtige Steuererklärung

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10. Keine Kopien und Unterlagen

Das Problem: Ohne eigene Unterlagen können Sie bei Nachfragen nicht reagieren. Wer seine eingereichte Erklärung nicht aufbewahrt, ist bei einer Prüfung im Nachteil.

Die Lösung:

  • Kopien von allem, was Sie einreichen
  • Belege mindestens 10 Jahre aufbewahren (gesetzliche Aufbewahrungsfrist)
  • digitale Ablage: Scannen Sie Quittungen, Lohnausweise, Einzahlungsbestätigungen

Damit sind Sie für Rückfragen gewappnet und können Fehler schnell korrigieren.

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Kurz: Die Top-10 im Überblick

  1. Abzüge vergessen → Checkliste nutzen
  2. Säule 3a falsch → Maximalbeträge prüfen
  3. Frist verpasst → Fristen notieren, Verlängerung beantragen
  4. Verrechnungssteuer vergessen → Rückerstattung beantragen
  5. Eigenmietwert falsch → Marktwert prüfen
  6. Unterhaltskosten nicht aufgeteilt → Erhalt vs. Verbesserung trennen
  7. Doppelte Deklaration → DBA und Anrechnung prüfen
  8. Nebeneinkünfte vergessen → Alles angeben
  9. Zivilstand/Haushalt falsch → Aktuell halten
  10. Keine Unterlagen → Alles dokumentieren und aufbewahren

Mit diesen Punkten reduzieren Sie das Fehlerrisiko deutlich – und sparen oft bares Geld.

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Häufig gestellte Fragen

Ja. Bei rechtzeitiger Abgabe der Erklärung können Sie eine Berichtigung beantragen. Die Frist beträgt in der Regel 5 Jahre rückwirkend – je nach Kanton.

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