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Steuertipps für Selbstständige in der Schweiz

Die wichtigsten Steuertipps für Selbstständige: Abzüge maximieren, AHV optimieren, Vorsorge planen, Rechtsform prüfen und häufige Fehler vermeiden.

Von Bastien Thiébaud·Aktualisiert: 2026-02-16

Tipp 1: Alle Betriebsausgaben konsequent abziehen

Als Selbstständiger können Sie alle geschäftsmässig begründeten Aufwendungen vom Einkommen abziehen. Viele Selbstständige verschenken Geld, weil sie Abzüge vergessen oder nicht kennen.

Häufig vergessene Abzüge:

  • Homeoffice-Anteil: Miete, Strom, Heizung, Internet – proportional zur genutzten Fläche. Bei einem Arbeitszimmer von 15m² in einer 100m²-Wohnung: 15% der Miet- und Nebenkosten.
  • Fahrzeugkosten: Geschäftsfahrten zu CHF 0.70/km oder effektive Kosten (Leasing, Versicherung, Unterhalt, Benzin). Bei einem Privatfahrzeug: Fahrtenbuch führen und geschäftlichen Anteil berechnen.
  • Telefon und Internet: Anteil der geschäftlichen Nutzung (z.B. 60%)
  • Software und Abonnements: Adobe, Microsoft 365, Buchhaltungssoftware, Fachzeitschriften
  • Weiterbildung: Kurse, Konferenzen, Fachliteratur, Online-Kurse
  • Versicherungen: Berufshaftpflicht, Betriebsunterbrechung, Rechtsschutz
  • Verbandsbeiträge: Berufs- und Branchenverbände
  • Bewirtung: Geschäftsessen (50% abzugsfähig in vielen Kantonen)
  • Reisekosten: Geschäftsreisen zu Kunden, Messen, Konferenzen

Praxisbeispiel: Ein IT-Berater mit CHF 180'000 Umsatz vergisst typischerweise Abzüge im Wert von CHF 5'000–12'000: Homeoffice-Anteil, Software, Weiterbildung, anteilige Fahrzeugkosten. Bei einem Grenzsteuersatz von 33% kostet ihn das CHF 1'650–3'960 unnötige Steuern pro Jahr.

Tipp 2: AHV-Beiträge optimieren

Die AHV ist als Selbstständiger Ihr grösster «Pflichtabzug». Die Beiträge sind aber steuerlich voll abzugsfähig.

Beitragsberechnung:

  • Ab CHF 58'800 Einkommen: 10.0% AHV/IV/EO
  • Unter CHF 58'800: Degressive Skala (ab 5.371%)
  • Minimum: CHF 514 pro Jahr (bei Einkommen unter CHF 9'800)
  • Familienausgleichskasse (FAK): Zusätzlich 0.5–2.5% je nach Kanton

Optimierung:

  • Zahlen Sie die provisorischen AHV-Beiträge pünktlich – Verzugszinsen sind teuer (5%)
  • Prüfen Sie die definitive Abrechnung – Nachzahlungen können im Folgejahr abgezogen werden
  • Bei stark schwankendem Einkommen: Passen Sie die Akontozahlungen an, um Über- oder Unterzahlungen zu vermeiden

Tipp 3: Vorsorge maximieren (Säule 3a und PK)

Selbstständige ohne Pensionskasse haben den höchsten möglichen Säule-3a-Abzug: bis zu CHF 36'288 pro Jahr (20% des Nettoeinkommens, max. CHF 36'288).

Strategien:

  • Maximalbetrag einzahlen: CHF 36'288 bei Einkommen ab CHF 181'440
  • Fünf-Konten-Strategie: Auf 5 verschiedene 3a-Konten einzahlen, um bei Bezug die Progression zu brechen
  • ETF-3a-Konto: Bei langem Anlagehorizont (>10 Jahre) höhere Rendite als Sparkonto
  • Freiwillige PK: Selbstständige können sich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen. PK-Beiträge sind voll abzugsfähig und schaffen zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten.

Rechenbeispiel: Nettoeinkommen CHF 150'000, Kanton Zürich, ledig.

  • Säule 3a: CHF 36'288 Einzahlung
  • Grenzsteuersatz: ca. 35%
  • Steuerersparnis: ca. CHF 12'700 pro Jahr

Zum Vergleich: Ein Angestellter mit PK kann nur CHF 7'258 einzahlen und spart ca. CHF 2'540.

Tipp 4: Abschreibungen strategisch einsetzen

Investitionen in Geschäftsanlagen können über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. In der Schweiz ist die degressive Methode üblich:

AnlagekategorieAbschreibungssatz (degressiv)
Computer, Software40%
Mobiliar25%
Fahrzeuge40%
Maschinen30%
Gebäude (Geschäft)4–7%

Strategien:

  • Investitionen vor Jahresende tätigen: Noch im laufenden Jahr abschreiben
  • Sofortabschreibung: Kleinanschaffungen unter CHF 1'000 sofort als Aufwand verbuchen
  • Timing: In guten Jahren mehr investieren (höherer Abschreibungseffekt)

Tipp 5: MWST-Registrierung prüfen

Die MWST-Pflicht beginnt ab CHF 100'000 Jahresumsatz. Aber auch eine freiwillige Registrierung kann sich lohnen:

Vorteile der freiwilligen Registrierung:

  • Vorsteuerabzug auf alle geschäftlichen Einkäufe
  • Professionelleres Auftreten bei B2B-Kunden
  • Rückforderung der MWST auf Investitionen

Nachteile:

  • Administrativer Aufwand (MWST-Abrechnung quartals- oder halbjährlich)
  • MWST auf Rechnungen an Privatkunden (kann abschreckend wirken)

Saldosteuersatz-Methode: Vereinfachtes Verfahren – Sie versteuern einen pauschalen Satz (je nach Branche 0.1–6.5%) und müssen keine Vorsteuern einzeln deklarieren. Ideal für Dienstleister mit wenig Vorleistungen.

Tipp 6: Rechtsform regelmässig prüfen

Als Selbstständiger mit Einzelfirma zahlen Sie auf den gesamten Gewinn:

  • Einkommenssteuer (progressiv, bis ca. 40%)
  • AHV/IV/EO (bis 10%)

Ab einem Gewinn von ca. CHF 80'000–100'000 wird die GmbH steuerlich attraktiver:

  • Gewinnsteuer: 12–24% (kantonsabhängig)
  • Lohn: Einkommenssteuer + AHV (aber nur auf den Lohnanteil)
  • Dividende: Privilegiert besteuert (70% auf Bundesebene)

Lassen Sie alle 2–3 Jahre einen Rechtsform-Check durchführen, um zu prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

Tipp 7: Geschäftsjahr und Abschluss optimieren

  • Rechnungen Ende Jahr stellen: Einkommen wird im Zeitpunkt der Leistung erfasst, nicht der Zahlung (bei Selbstständigen mit Einnahmen-/Ausgabenrechnung anders)
  • Rechnungen über Jahreswechsel steuern: Grossaufträge ggf. auf zwei Jahre verteilen, um Progression zu brechen
  • Delkredere bilden: Rückstellung für zweifelhafte Forderungen (5% der Debitoren pauschal anerkannt)
  • Rückstellungen: Garantien, Prozesse, Schadensfälle

Tipp 8: Buchhaltung sauber führen

Eine ordentliche Buchhaltung ist nicht nur Pflicht, sondern spart langfristig Geld:

  • Doppelte Buchhaltung ab CHF 500'000 Umsatz (Pflicht gemäss OR)
  • Einfache Buchhaltung (Milchbüchlein) unter CHF 500'000 erlaubt
  • Belege aufbewahren: 10 Jahre Aufbewahrungspflicht
  • Digitale Tools: Bexio, Abacus, Banana – sparen Zeit und Fehler
  • Trennung Privat/Geschäft: Separates Geschäftskonto und Kreditkarte

Checkliste: Steuererklärung Selbstständige

  1. Jahresabschluss erstellen (Bilanz + Erfolgsrechnung oder Milchbüchlein)
  2. Alle Betriebsausgaben vollständig erfassen
  3. Abschreibungen berechnen
  4. Rückstellungen und Delkredere prüfen
  5. Privatanteil Fahrzeug/Homeoffice korrekt berechnen
  6. AHV-Beiträge als Abzug deklarieren
  7. Säule 3a-Einzahlung maximieren (CHF 36'288)
  8. MWST-Abrechnung prüfen (falls registriert)
  9. Geschäftsschuld und -vermögen deklarieren
  10. Alle Belege 10 Jahre archivieren
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Häufig gestellte Fragen

Alle geschäftsmässig begründeten Aufwendungen: Büro-/Homeoffice-Kosten, Material, Fahrzeugkosten, Telefon/Internet, Versicherungen, Weiterbildung, Abschreibungen auf Investitionen, AHV-Beiträge, Säule 3a (max. CHF 36'288), PK-Beiträge und Beiträge an Berufsverbände.

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